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Theater-Padawans der J1 meets Theater-Jedis

Dass Theater bewegt ist unter theateraffinen Geistern wohl bekannt:

 

Dass dort Herz und Seele durch sämtliche Stimmungslagen getrieben, dass sämtliche Gedanken hoch und runter, kreuz und quer, Steuer- wie auch Backbord gehetzt werden … YES!

 

Dass im Theater Lach- wie auch Heulkrämpfe den Körper gleichermaßen durchschütteln … YES!

 

Dass dort im Idealfall angesichts der großen Fragen des Lebens grüblerische, die Stirn zerfurchende Denkfalten durch den schönheitschirurgisch motivierten und mit schauspielerischen Mitteln realisierten Klaps auf den Hinterkopf samt entfurchender Erleuchtung und kostenfreier Entschuppung der Augen geglättet werden … YES!

 

Alles natürlich von der sicheren Warte eines gepolsterten und ergonomisch geformten Theatersessels samt integrierter Massagefunktion aus!

 

Dass man sich jedoch im Theater realiter gehenden Fußes bewegt, dass man sämtliche Garagen, Lagerräume und Heizungskeller eines Theaters durchwandert und dadurch in die Geschichte gerät und fürderhin unweigerlich in selbige hineingezogen wird und sich selbst letztlich als Part darin wiederfindet, ist eher ungewöhnlich!

 

Ausgangspunkt unseres Weges – ein Europa im Kriegszustand … ein Deutschland als zerrüttetes, zermürbtes, zerbombtes, zerstörtes Land, ein Zerrbild, in dem alles, was bislang zählte und von Bedeutung war bis zur Unkenntlichkeit zerbröselt ist! Perspektive … Fehlanzeige! Zukunft …  war mal! Gott … hat Deutschland und Europa schon lange verlassen! Jedoch – völlige und gänzlich resignierte Verzweiflung … YES!

 

Ziel aller Sehnsüchte, aller Hoffnungen ist eine letzte Bastion des Friedens … in Ägypten! Ein Ort, der all das verspricht, was es in Europa nicht mehr gibt, eine Oase, in der ein Leben möglich scheint jenseits von Elend, Hunger, Kälte, Folter, Gewalt und Tod!

 

Der Weg dorthin, die Flucht beinhaltet so ziemlich alles, was man keinem Menschen wünscht … denn das Leben eines Flüchtlings ist nicht mehr allzu viel wert, nur noch so viel wie man einem Menschenhändler dafür bezahlen kann, um in ein Land zu kommen, in dem man nicht willkommen ist!

 

So bleibt letztlich die Frage, warum Menschen angesichts der mit tödlichen Fallen übersäten Fluchtroute ihr bisheriges Leben aufgeben … warum machen sie sich auf den gefahrenvollen Weg, warum begeben sie sich in Lebensgefahr, um an einen feindseligen Ort zu gelangen, an dem man ihnen alles andere als wohlgesonnen ist?

 

Stellt Euch hier eine ganz simple Frage – wie verzweifelt muss jemand sein, wenn er seine Heimat verlässt, nicht freiwillig, um gutgelaunt unter subtropischer Sonne ein Lokal zu eröffnen, sondern da es dort nichts mehr gibt, nichts mehr wofür es sich zu leben lohnt, nichts mehr was man eigentlich braucht, um überhaupt leben zu können – kein Wasser, keine Nahrung, keine Wohnung, keine Bildung, keine Arbeit!

 

Unsere Flucht von Deutschland nach Ägypten hat uns tief bewegt – nicht nur körperlich, sondern es ist etwas ganz tief in uns in Rotation gekommen ... denn wir wohnten dem Schauspiel über das Thema Migration nicht nur bei, wir waren Teil der Fluchtbewegung, wir waren in diesem Moment Flüchtlinge!

 

Wenn die Kunst des Schauspiels darin besteht echtes Leben erlebbar zu machen, so dass in dem Erlebten und durch das Erlebte plötzlich gedankliche Mauern zu Gedankenstaub zerbröseln und sich neue Horizonte und gänzlich neuen Blickwinkel auf das Leben eröffnen … dann durften wir Schauspiel in seiner Perfektion, seiner erlesensten, seiner lebendigsten Form erleben!

 

 

 

 

 

 

 

Und daher verneigen wir uns dankbar vor den beiden Jungs, Jan Arne Looss und Sandro Šutalo, die jene Kunst des Schauspiels als wahre Meister derselben zelebriert haben. Ihr seid unsere Jodas des Theaters … und mit tiefem Bedauern müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass Ihr beide im kommenden Jahr das Landestheater Schwaben verlassen werdet. Eure Padawns aus Bad Saulgau wünschen Euch von ganzem Herzen alles Liebe und Gute auf Eurem weiteren Weg … möge die Lust am Schauspiel, wie wir sie dank Euch erleben durften, allzeit mit Euch sein!

 

Haltet die Ohren steif und Ihr wisst ja: Man sieht sich immer zweimal im Leben!

Wir freuen uns darauf!

PET

Mai 2019

 >>> Bildnachweise

 

 

 

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