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Reptil, Urgestein? Institution! Frau Füssinger verabschiedet sich in die Pension

40 Jahre an unserer Schule – Rückblick auf eine erfolgreiche und ereignisreiche Lehrerkarriere


Zum Ende dieses so außergewöhnlichen Schuljahres verabschiedet die Helene-Weber-Schule zahlreiche Kolleg*innen, darunter auch verdiente Schul-, Abteilungs- und Bereichsleiterinnen. Da eine gebührende Verabschiedung coronabedingt nicht möglich ist, erfolgt auf unserer Homepage und in den Social-Media-Kanälen unserer Schule eine kleine Interviewreihe, die interessante Einblicke in das abwechslungsreiche Lehrerleben bieten soll, hinter den sonst üblichen sachlichen Informationen aus den sterilen Personalakten.

 

 

 

 

 

 

Nach 40 Jahren an der Helene-Weber-Schule, davon 17 Jahre als Abteilungsleiterin der Alten- und Sozialpflege, verabschiedet sich Frau Füssinger in die wohlverdiente Pension.

 

Was hat Sie (einstmals) angetrieben, Lehrerin zu werden?
Mit jungen Menschen zu arbeiten und sie zu begleiten.

Kreatives und abwechslungsreiches Arbeiten.

Menschen begeistern, sie mitzunehmen, Menschen zum Stauen zu bringen.

Für welche Themen brennen und brannten Sie im Unterricht?
Zunächst für das Fach Biologie (war mein Zweitfach neben Haushaltswissenschaften), auch in landwirtschaftlichen Klassen.

Sämtliche Lernfelder, mit medizinischen und pflegerischen Inhalten und natürlich seit 2003 das Fach „Leben-Sterben-Tod“ (etabliert als eigenständiges Fach in der Altenpflege, durch die Tätigkeit als Notfallseelsorgerin im Landkreis Sigmaringen).
Durchführung des Prüfungscoachings seit 1998, um Schüler*innen mental für Prüfungen stark zu machen.

Die Lehrerausbildung lag mir immer am Herzen.

Den Unterricht im Sinne des Classroom-Managements nach Kounie und Helmke weiterzuentwickeln. Die fachliche Aktualität sichern und weiterzugeben.

 

Welche (heiteren) Anekdoten fallen Ihnen spontan zu ihrem Lehrerdasein ein?
Ausflüge zu landwirtschaftlichen Messen als junge Lehrkraft bei 16/17-jährigen Landwirten!
Meine allererste Unterrichtsstunde mit dem Thema: „Besen, Bürsten, Kämme und Schwämme“ (Redezeit Frau Füssinger ca. 5 Minuten, Redezeit der Mentorin 40 Minuten!).
Studienfahrt 1984 mit einer Kollegin in die ehemalige DDR – wurde als Frau total ignoriert und an der Grenze wurde ich lange festgehalten, da ich Füssinger mit scharfem S geschrieben habe – so dass mein Ehemann erst mal bei den Behörden nachforschen musste, wie Füssinger tatsächlich geschrieben wird.


Warum waren Sie gerne Lehrerin und Abteilungsleiterin u.v.a.m.?
Ich konnte mitgestalten, neue Impulse setzen, Ideen einbringen, Optimierungen vorantreiben, Aktualität schaffen und Qualität in der Abteilung durch die Zertifizierung 2013 „sichtbar“ machen. Begeisterung für eine Sache schaffen und unterrichten bedeutet für mich auch Beziehungen aufzubauen.
Methodik/Didaktik und Pädagogik innovativ weiterentwickeln und das mit Humor und struktureller Gelassenheit.
Die Zusammenarbeit mit ca. 30 kooperierenden Einrichtungen der Altenpflege und der Zusammenarbeit mit der Hochschule für Pflegepädagogik in Weingarten.

 

Was waren Ihre prägendsten Erlebnisse an der Helene-Weber-Schule?
Die Teilnahme und Mitgestaltung von zwei Schulentwicklungsprozessen. Die Grundsteinlegung des neuen Schulgebäudes der Helene-Weber-Schule. Die Zertifizierungsfeier 2013 und die folgenden internen und externen Audits, die die Abteilung immer auf Anhieb bestanden hat, durch die Belegung von 52 Qualitätsaspekten.
Für die Helene-Weber-Schule einen Qualitätsbaustein beizusteuern.

 

Gab es einen Höhepunkt in Ihrer Laufbahn?

*2005 die Ernennung zur Studiendirektorin – und das über den 2. Bildungsweg!
* Die Bewältigung der Hochphase der Corona-Pandemie

 

Gab es einen Tiefpunkt in Ihrer Laufbahn?
„Es gab gute und schöne Tage!“

 

Inwiefern hat Sie das Schulleben persönlich geprägt?
Rückblickend kann ich sagen, dass die Schule bzw. der Unterricht und die Altenpflege „meins“ waren. 1986 hieß es von Seiten des Regierungspräsidiums „Sie haben doch Biologie studiert, dann können Sie auch pflegen!“.
Erkenntnisse, dass man nur so gut sein kann, wie es die „anderen zulassen.“
„Der Weg ist das Ziel“ – Vertrauen zu haben, was auf einen zukommt, denn vieles kann man nicht steuern.
Und „sie bemühte sich stets“!

Wie stellen Sie sich unsere Schule in 10 oder 20 Jahren vor?
Total vernetzt, digitalisiert – Schüler*innen der Z-und Alpha-Generation sind zu „begeistern“ und zu beschulen und sie sind bei Laune zu halten?!?

Vervollständigen Sie die Sätze:


 Wenn ich an Klassenfahrten denke, dann …
… freue ich mich über die Wiedervereinigung Deutschlands.
… denke ich, wie ich mit Ehrfurcht im Bundeskanzleramt in Berlin stand.
… denke ich an eine Pilotin einer Boing 747 der Swiss Air, die am Abend Richtung Rio startete.
 

Wenn ich an Klassenarbeiten denke, dann … denke ich:
Oh je, schon wieder – muss das tatsächlich sein – dann doch lieber mal die Fenster putzen.

Wenn ich an Tagebucheinträge denke, dann …
... fällt mir die BKP-Klasse ein und das erste Jahr SOL (selbstorganisiertes Lernen).

Wenn ich an Kolleg*innen denke, dann …
… freue ich mich für sie.
… denke ich an die Jungs von der Technik (Vertretungen, IT, ASV) sind einfach spitze, da ich Userin bin und das Zeug muss funktionieren! Herzlichen Dank dafür.
… denke ich natürlich an Frau Sontag, die versucht hat, mich und Frau Hess zu Bloggern zu machen.

Wenn ich an meine Fächer denke, dann … spüre ich …
… Begeisterung, Leidenschaft und Aktualität für die Schüler*innen schaffen.

und denke …

… schade – jetzt hört mir niemand mehr zu!

 

Wenn ich an unsere Schule denke, dann …
… ist die Abteilung Pflege einzigartig, innovativ in der Region und ich bin stolz, dass ich in dieser Schule unterrichten und mitgestalten darf bzw. durfte.

… sind es nicht die schönen Erinnerungen, sondern das Gefühl, welches ich mit dem Menschen oder mit der Situation verbunden habe.

 

Liebe Frau Füssinger, nach 40 Jahren an der Helene-Weber-Schule (das Referendariat war im Schuljahr 1980/81) verabschieden Sie sich in die redlich verdiente Pension. Wir wünschen Ihnen, dass Sie die Zeit für Ihre Interessen aktiv und erfüllend gestalten können und weiterhin so neugierig und interessiert an Menschen sowie offen und begeisterungsfähig für Neues bleiben, wie Sie dies stets in der Alten- uns Sozialpflege unserer Schule gelebt haben – und natürlich Gesundheit!

 BAR


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