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LOK – die praktizierte Zusammenarbeit von Theorie und Praxis

Bericht in der Schwäbischen Zeitung vom 21.11.2018

Bad Saulgau (Kienzler)

 

Seit über 15 Jahren gibt es die Lernortkooperation [LOK] der Helene-Weber-Schule/Kaufmännische Berufsschule und den Ausbildungsbetrieben der Region. Anlass für die Gründung dieser Lernortkooperation war die Neuordnung des Ausbildungsberufes Industriekaufmann bei der die Berufsschule gemeinsam mit den Ausbildungsbetrieben ein eigenes Ausbildungskonzept zu entwickeln. Ziel war es, die Kooperation zwischen den Ausbildungspartnern zu fördern, die Auszubildenden optimal auf die neue Kammerprüfung vorzubereiten und damit nachhaltig die Ausbildungsqualität zu verbessern. Mittlerweile haben sich die regelmäßigen Treffen zwischen Lehrer und Ausbildern fest manifestiert.

 

„Die Einführung der LOK ist ein voller Erfolg“ zieht der Fachabteilungsleiter an der Kaufmännischen Berufsschule Helmut Waldenmaier Bilanz. „Man redet nicht mehr übereinander, sondern miteinander“ – die engen Kontakte zwischen Schule und Betrieb fördern die Einsicht in die Belange und Anforderungen des Partners und den fachlichen Austausch. Von den gemeinsam entwickelten Modellen profitieren die Auszubildenden nicht nur in der Fachlichkeit sondern auch in der Persönlichkeit, Selbständigkeit, Flexibilität und Vielseitigkeit bestätigt der Ausbildungsleiter der Firma Schlösser aus Mengen, Werner Fleisch. Beispiele dafür sind im 1. Ausbildungsjahr das Kreativprojekt, bei dem die Auszubildenden ihren Ausbildungsbetrieb präsentieren, im 2. Ausbildungsjahr  das TANDEM-Projekt, bei dem jeweils zwei Auszubildenden aus unterschiedlichen Ausbildungsbetrieben ein betriebliches Thema wie beispielsweise „Darstellung eines Beschaffungsprozesses im Vergleich zweier Firmen“ bearbeiten und vor allen LOK-Mitgliedern präsentieren.

 

Ein weiteres Ergebnis ist die Einführung der Zusatzqualifikation Englisch. In drei Wochenstunden wird eine gewählte Fremdsprache vermittelt, die nach zwei Jahren mit der Prüfung zum KMK-Fremdsprachenzertifikat abschließt. 2013 wurde in Abstimmung mit den technikorientierten Ausbildungsbetrieben die Zusatzqualifikation Technik eingeführt. Ziel dieser Zusatzqualifikation ist es, zukünftige kaufmännische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, durch aktuelles Basiswissen über technische Zusammenhänge ihre beruflichen Aufgaben in einem technikorientierten Unternehmen erfolgreicher wahrnehmen zu können. Ausbildungsbegleitend werden in zwei Wochenstunden Grundlagen der Technischen Kommunikation, der Technologie Werkstoffe, Einführung in die Fertigungstechniken und Produktionsprozesse sowie betrieblicher Umweltschutz vermittelt. Jeweils 3 Wochen Theorie werden durch eine Woche Praxis ergänzt. Im ersten Ausbildungsjahr werden die technischen Fertigkeiten an der Herstellung eines Schlüsselanhängers aus verschiedenen Werkstoffen erarbeitet. Am Ende erhalten die Absolventen ein schulisches Zertifikat. Viel wichtiger noch sind die erworbenen technischen Grundkenntnisse, die es ermöglichen, die beruflichen Aufgaben erfolgreich wahrnehmen zu können. Im Einkauf und Vertrieb sowie im betrieblichen Rechnungswesen vieler Unternehmen wird für die Bewältigung der vielfältigen Aufgaben verstärkt technisches Grundwissen benötigt.

 

Auch im fünften Jahr ist das Interesse an dieser Zusatzqualifikation groß. 13 Auszubildenden des 1. Ausbildungsjahres nehmen dieses Angebot derzeit wahr und arbeiten in den Werkräumen der Willi-Burth-Schule an den für Kaufleute ungewohnten Werkbänken und das sogar freiwillig.

 

Foto 1: Die Ausbilder

Fotos 2 - 4: Am Stempelblech lernen die jungen angehenden Industriekaufleute beim Messen und Körnen den Umgang mit den Werkstoffen – Sina Tuske zeigt Ausbildungsleiter Dirk Reiner ihre Arbeit. Marc Teufel und Sarah Hofmann lassen sich in das Körnen einweisen.

 

FOTOS (Kienzler und WAL)

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